Genuss Menü - Restaurant "Richard"

Französisch inspirierte Küche mit einem Hauch Italien in historischem Ambiente –
abgerundet durch charmant zurückgenommene Gastgeber und eine großartige
Riesling-Begeleitung. So könnte man das Genuss-Menü im März zusammenfassen.
Wir waren zu Gast im Kreuzberger Restaurant Richard, das erst kürzlich den Michelin-
Stern verteidigt hat.

Text und Bild: Laura Lackas


Kulinarik

Früher führte Gastgeber und Autodidakt Hans Richard in der Küche selbst Regie. Seit einiger Zeit jedoch holt er sich herausragende Küchenchefs in sein Restaurant im einstigen „Köpenicker Hof“, mit denen er gemeinsam an neuen Kreationen tüftelt. Seit der Italiener Francesco Contiero diese Position übernommen hat, schmeckt man in vielen Gerichten italienische Nuancen und das ohne, dass diese die klassisch französische Basis der Teller übertünchen.

 

Und dennoch: Auch beim Genuss-Menü entdecken wir bei jedem Gang einen Hauch Italien – insbesondere beim gelackten Sellerie aus dem Ofen mit Süßholz-Gemüse Jus und Beurre Noisette. Aber der Reihe nach: Wir starten diesen Abend mit leckerem Brot und einem tollen Wein von einem der renommiertesten deutschen Winzer: Clemens Busch aus Pünderich an der Mosel. Während er früher – wie Petra Kessler, die an diesem Abend für die tolle Weinauswahl verantwortlich ist – erzählt, durch seine biodynamische Philosophie als Exot galt, hat Busch sich heute in vielen Weinführern einen der oberen Plätze gesichert. Und das schmeckt man: Die fünf verschiedenen Riesling-Weine, die an diesem Abend ins Glas kommen, zeigen, wie vielfältig diese Rebsorte sein kann.

 

1. Gang: Norwegische Jakobsmuschel mit marinierter Schwarzwurzel und Mönchsbart

 

2. Gang: Gelackter Sellerie aus dem Ofen mit Süßholz-Gemüse Jus und Beurre Noisette

 

 

3. Gang: Kalbs-Bries mit fermentiertem Spitzkohl, Birne und Estragon

 

4. Gang: Steinbutt mit Rhabarber, Zwiebel und Mangold

 

Dessert: Tarte vom eingelegten Apfel mit Earl Grey-Crumble und Zimt-Eis

 

< >
Passend zum ersten Riesling serviert das Team um Hans Richard und Francesco Contiero zur Vorspeise unsere Norwegische Jakobsmuschel mit Mönchsbart und marinierter Schwarzwurzel. Das Gericht kommt einerseits klassisch daher, doch die Olivenöl-Note, die man in der marinierten Schwarzwurzel schmeckt, lässt erste italienische Nuancen ahnen.
Stärker zeigt Contiero seine Herkunft dann im bereits erwähnten Sellerie aus dem Ofen, der im zweiten Gang auf den Teller kommt und beweist, wie vielfältig und lecker vegetarische Küche sein kann. Da wundert es nicht, dass das rein vegetarische Menü im Restaurant Richard neben den klassischen Menüs so viele Abnehmer findet.
Es folgt unser Kalbs-Bries, kombiniert mit Rauchaal und fermentiertem Spitzkohl; fein tariert mit Birne und Estragon und im vierten Gang essen wir Steinbutt mit Rhabarber, Zwiebeln und Mangold. Auch diese beiden Teller zeigen, wie Richard und Contiero es schaffen, ihre klassische Küche, die auf hochwertigen Produkten basiert, mit modernen und mediterranen Nuancen zu breichern.
Vor dem Dessert lehnen wir uns zurück und genießen die außergewöhnliche Atmosphäre. Im Restaurant Richard ist der Service stets aufmerksam und dennoch zurück genommen. So bleibt dem Gast genug Raum für die herausragenden Gerichte und die zeitgenössischen Kunstwerke an den Wänden (sie stammen übrigens von Richard selbst), die wunderbar in das historische Anbiete des Restaurants mit seiner Kassettendecke und den schicken Designerlampen passen.
Während wir uns so richtig wohlfühlen, rundet das Dessert dieses Dinner ab: Die Tarte vom eingelegten Apfel mit Zimt-Eis ist fein und erinnert trotzdem irgendwie an den leckeren Apfelkuchen von Oma. Das Earl Grey-Crumble verleiht dem Gericht jedoch einen außergewöhnliche Twist.
Eines ist klar: Ein Besuch im Restaurant Richard ist ein Abend für alle Sinne.