Das WeinMahlEins im Februar:
Eins44

Eine alte Destillerie, herzliche Gastgeber, gute Weine und ein Küchenchef, der mit 26 Jahren schon das erreicht hat, wovon viele träumen. Das Februar-WeinMahlEins im Eins44 war auf ganz besondere Art außergewöhnlich.

 

Bildquelle:  Anthea Schaap
Text: Laura Lackas

 
Wenn ein neuer, und dazu recht junger, Küchenchef in ein gut laufendes Lokal kommt, mögen viele erst einmal skeptisch sein. So oder so ähnlich war es wohl auch als der heute 26-jährige Tim Tanneberg vor zwei Jahren ins Eins44 kam. Doch auch wenn ihn vorher kaum jemand auf dem Zettel hatte, so begeistern Tannebergs Kreationen im Eins44 nicht nur die Gäste, sondern auch Kritiker.
Und so ist es auch bei diesem WeinMahlEins keine Überraschung, dass Tanneberg abliefert, wie es im Buche steht. Dieser Mann hat nicht nur in jungen Jahren das erreicht, was viele auch später nicht schaffen, sondern macht dieser Besonderheit auch alle Ehre. Tannebergs Kreationen sind puristisch: Ohne viel Schnickschnack stehen die (oft saisonalen und regionalen) Zutaten stets vom Vordergrund. Trotz seiner leger anmutenden Umsetzung – oder gerade deshalb – schafft es Tanneberg, die verschiedenen Aromen der Gerichte fein auszubalancieren und die Teller nicht nur handwerklich einwandfrei, sondern auch stilsicher zu präsentieren.

1. Gang: Gurke – Petersilie und Holunder

2. Gang: Muschel – Sellerie und Auster

3. Gang: Rosenkohl – Schinken und Saibling

4. Gang: Kalb – Kartoffel und Sauerrahm

Dessert: Mandarine – Buttermilch und Karotte

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Im ersten Gang serviert uns das Team um Tanneberg Gurke, Petersilie und Holunder. Was simpel klingt, ist eine kleine Offenbarung: Die Frische der Gurke hält sich mit den anderen Aromen auf dem Teller die Waage; da ist etwas Salziges, etwas Saures und alles in allem schmeckt die Kombination außergewöhnlich und gleichzeitig vertraut.
Diese Ausgewogenheit der Aromen und die bodenständige und dennoch einfallsreiche Kombination von Zutaten und Geschmäckern zieht sich durch das ganze Menü: Es folgt eine frische und leicht salzige Kombination aus Muschel, Sellerie und Auster im zweiten Gang und Rosenkohl, Schinken und Saiblings-Kaviar im dritten. „Wer Rosenkohl wirklich kann, der ist kaum aufzuhalten“, wird am Tisch festgestellt.
Und dennoch: Die Highlights vieler Gäste an diesem Abend stehen noch bevor.
In der Hauptspeise serviert das Team um Tanneberg ein ordentliches Stück vom Kalb mit einer Kartoffel-Variation und Sauerrahm – einfach nur lecker!
Langsam haben wir das Gefühl, Tannebergs Philosophie verstanden zu haben. Im Dessert überrascht der Küchenchef dann trotzdem noch mal alle. Er serviert Mandarine, Buttermilch und Karotte. Die Kombination kommt in Form eines kleinen Törtchens mit einer Buttermilch-Haube und einem Karotten-Mandarinen Kern daher und thront auf einem Spiegel aus Karottensauce. Was ziemlich gesund klingt, ist zwar wenig süß aber begeistert dennoch alle am Tisch.
Die puristisch-stilistischere Gangfolge passt zur restlichen Atmosphäre des Abends: Im diffusen Licht der alten Destillerie entsteht eine gemütliche Stimmung, die langen Holztafeln und die Kacheln an den Wänden sind ein Sinnbild für industriellen Schick und Restaurantleiter Jonathan Kartenberg hat stets ein Lächeln auf den Lippen.
Was fehlt also noch zum perfekten Abend? Achja: Weine. Doch auch hier werden wir nicht enttäuscht. Im Wechsel präsentieren die Weingüter Hees und Hermannsberg verschiedene Weißweine. Der Riesling hat einen besonderen Auftritt; kommt er gleich in fünf Variationen ins Glas. So unterschiedlich diese fünf Weine sind: Sie alle finden sich hervorragend in das Menü ein und runden diesen gemütlich-stilsicheren Abend in Neukölln ab.