Das WeinMahlEins im Juli:
The Grand

Eine Location im so genannten "Shabby Chic", die ebenso gut aus vergangenen Tagen entsprungen sein könnte, ausgelassene Stimmung, gute Weine und ein abwechslungsreiches und überraschendes Menü. So könnte das Juli-WeinMahlEins im "The Grand" grob zusammen gefasst werden. 

 

Text: Laura Lackas
Bild:  Anthea Schaap

 
Das Menü, das Küchenchef Thilo Roth und sein Team uns an diesem stürmischen Abend präsentieren, ist schon teilweise außergewöhnlich.
Eigentlich war die Veranstaltung im hübschen Garten des "The Grand" geplant gewesen, doch der unberechenbare Berliner Spätsommer machte uns einen Strich durch die Rechnung. 
Statt lauschigem Gartenabend erleben wir bei diesem WeinMahlEins also ein ausgelassenes Dinner mit Vintage-Flair. Die ursprünglich als Grill-Menü geplante Gangfolge serviert Roth jedoch trotz Regenwetter.  

1. Gang: Geeiste Tomatenessenz, Urtomatentatar, Burratina

2. Gang: Gebackene Forelle, geschmorter Kopfsalat, Bacon, Zitrone

3. Gang: Jakobsmuschel, Boudin Noir, Mango

4. Gang: Irisches Entrecôte im Ganzen gegrillt, gegrilltes Gemüse, Pifferlinge à la Crème, Frankfurter Grüne Soße

Dessert: Besingsüppchen, Schwarzwälder Kirschparfait

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Und so starten wir den Abend sommerlich-leicht mit einer kalten Vorspeise: Die geeiste Tomatenessenz mit Urtomatentatar und Burratina ist nicht nur frisch; sie spielt auch raffiniert mit Aromen. Die Säure der Tomaten steht in perfekter Balance zur milden Schwere der Burratina.
Der zweite Gang ist wohl einer der Gründe, dieses Menü "außergewöhnlich" zu nennen. Gebettet auf geschmortem Kopfsalat und abgerundet mit Zitrone und Bacon serviert Roth...gebackene Forelle. Der Backfisch ist außen kross und innen buttrig.
Zugegeben: Dieser Gang mag nicht jedermanns Sache sein. Doch man kann wohl kaum behaupten, dass Roth mit einem polarisierenden Teller in der Berliner Gastro-Szene nicht in guter Gesellschaft wäre.
Wie passend, dass der Wein zu diesem Gang einer von vielen "Revoluzzern" an diesem Abend ist. Warum einige Tropfen des Weinguts Bibo Runge diesen Namen tragen, erklärt uns Winzer Markus Bonsels: Sie sind nach Adam von Itzstein benannt, der vor fast 200 Jahren im Rheingau für mehr Presse- und Meinungsfreiheit kämpfte. 
Auch der dritte Gang überrascht: Die frische Jakobsmuschel ist toll gegart und wird von einem ordentlichen Stück Boudin Noir (zu Deutsch: Blutwurst) begleitet. Die Kombination mit den frisch-süßen Mangospalten macht den außergewöhnlich-leckeren Twist dieses Tellers rund.
Im Hauptgang sind wir dann deutlich klassischer unterwegs: Das "The Grand" wäre nicht als Grillrestaurant bekannt, wenn es nicht mindestens ein gegrilltes Stück im Menü gäbe. Und so serviert Roth unser irisches Entrecôte. Das Fleisch kommt schön gegart, mit tollen Röstaromen und auf großen Platten zum Teilen daher. Dazu reicht das Team eine Auswahl an Grillgemüse, Pifferlinge und Frankfurter Grüne Soße. Letztere verleiht auch diesem eher klassischen Grillgericht eine überraschende Nuance. 
Nach diesem bodenständigen Gang bleibt das Team der "Soulfood"-Linie treu: Im Dessert essen wir ein Schwarzwälder Kirschparfait auf Besingsüppchen. Das Parfait hat ordentlich "Wumms" und erinnert einen begeisterten Gast am Tisch ein wenig an "Tante Inges 80.".
Auch wenn dieser Vergleich im ersten Moment zwiespältig wirken mag, so ist er durchaus positiv gemeint und zutreffend gewählt: Das Parfait ist schwer, alkoholisch, süß und einfach lecker!
Nach diesem Dessert sind wir zufrieden und satt. Kurzum: Der fiese Berliner Spätsommer tat diesem WeinMahlEins keinen Abbruch...