Das WeinMahlEins im Juni:
Bar Brass

Zur Bildgießerei Noack am Charlottenburger Spreebord gehört seit einigen Monaten auch ein Restaurant: Die Bar Brass. Passend zum kreativen Umfeld ist das Restaurant an sich schon ein Kunstwerk – kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Küchenchef und Restaurantleiter Reza Daenabi studierter Modedesigner ist. 

 

Text: Laura Lackas
Bild:  Sarah Bergmann

 
Beim Anblick der Räumlichkeiten wirkt "Bar" fast wie ein Understatement: Das Restaurant ist großzügig geschnitten, mit hohen Decken. Die Ausstattung wirkt hochwertig und modern, das Lichtkonzept ist bestens durchdacht. Bei so viel Leidenschaft für das Kreative verwundert es nicht, dass auch die Teller in der Bar Brass eine kleine Augenweide sind.
Wir starten mit einem Wildkräutersalat mit geräuchertem Feta und schwarzer Walnuss, der an diesem heißen Sommerabend genau das Richtige ist. Die Frische des Salats harmoniert wunderbar mit dem rauchigen Feta. Kurzum: Trotz 30 Grad Außentemperatur bekommen wir Lust auf weitere Gänge.

1. Gang: WIldkräutersalat mit geräuchertem Feta und schwarzer Walnuss

2. Gang: Onsenei mit Topinambur-Püree und Mispeln

3. Gang: Schweinebauch vom Iberico, Weinbergschnecken und Morcheln 

4. Gang: Glattbutt, grüner Spargel und Sauce Gribiche

Dessert: Rhabarber-Délice, Holundersorbet, Waldbeeren

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Unser Wunsch sei dem aufmerksamen Team der Bar Brass Befehl: Im zweiten Gang serviert uns Daenabi ein Onsenei auf Topinambur-Püree mit Mispeln. Während sich der flüssige Kern des Eis schon beim ersten Löffel mit dem samtigen Püree und dem chrunchigen Topping vermischt, brauchen wir einen weiteren Löffel, um an die süß-sauren Mispeln zu gelangen, die sich am Boden des Schälchens verstecken. Dieser Teller ist irgendwie familiär. Er schmeckt nach Kindheit, hat aber dennoch einen urbanen Twist. 
Apropos urban: Im dritten Gang zeigt Daenabi uns, warum die Bar Brass als urban-kreatives Restaurant wahrgenommen wird. Der Schweinebauch vom Iberico ist umgeben von einer geschmacksintensiven Sauce aus Morcheln und Weinbergschnecken. Alles wunderschön angerichtet in der Mitte eines stilvollen hellgrauen Tellers. Der Gang wird begleitet vom ersten und einzigen Rotwein, einem Pinot Noir, den uns das Weingut Holger Koch aus dem Kaiserstuhl an diesem heißen Sommerabend serviert.
Im nächsten Gang finden wir dann zurück zu Weißwein, genauer einem frischen Grauburgunder. Er ist der perfekte Begleiter für den Glattbutt mit grünem Spargel und Sauce Gribiche. Auch dieser Teller ist optisch überzeugend und mausert sich für einige am Tisch zum Höhepunkt des Abends: Der Fisch ist auf den Punkt und bleibt – trotz knackigem Spargel und den unglaublich leckeren Nocken der Sauce Gribiche – der Star des Tellers. 
Bleibt die Frage, was man nach diesem saisonal-innovativen Teller noch servieren soll. Daenabis Antwort lautet: Rhabarber. Auch im Dessert sind wir also saisonal unterwegs, gepaart mit einem außergewöhnlichen Twist. Das Rhabarber-Delicé kommt umgeben von einem frischen Holundersorbet daher und ist mit prallen süßen Beeren dekoriert.
Auch wenn uns der süßlich-leckere Moscato d'Asti dazu ein bisschen diesig macht, so ist das Dessert keineswegs schwer. Es verkörpert viel mehr genau das, was dieser runde Abend bei heißen Temperaturen im Grunde war: Sommer auf dem Teller.