Das WeinMahlEins im Juni:
Cantina Bar Tausend

Ein WeinMahlEins im Hinterzimmer einer der legendären Berliner „Hidden Bars“? Klingt aufregend und das war es auch, dieses Juli-WeinMahlEins in der Bar Tausend. Hinter einer dicken Stahltür versteckt, verschmolz in der Bar mit zugehöriger Cantina an diesem heißen Sommerabend Kulinarik mit dem Berliner Nachtleben. 

 

Text: Laura Lackas
Bild:  Sarah Bergmann

 
So „hidden“ (zu Deutsch: versteckt) das 2007 eröffnete Restaurant gleich unter dem S-Bahnhof Friedrichstraße liegt, so exklusiv wirken die Räumlichkeiten. Die Dekoration ist großzügig und gleichzeitig zurückhaltend, es gibt zahlreiche moderne Lichtelemente und die schicke Bar schafft einen Kontrast zur sonst eher minimalistischen Einrichtung. 
Nicht verwunderlich also, dass auch die Teller des Argentiniers Octavio Osés Bravo kontrastreich daherkommen: Angepasst an die schweißtreibenden Außentemperaturen sind die Gänge stets leicht, wenngleich sie auch schwere Elemente beinhalten.

1. Gang: Gazpacho Verde mit Garnelen-Ceviche, Croutons und schwarzer Olive

2. Gang: Beetroot-Carpacchio mit Kohlrabi, Meerrettich, Thymian und Anis-Popcorn

3. Gang: Crudo vom marinierten Lachs mit Tomate, Edamame, Chili und Sour Cream

4. Gang: Entrecôte mit Kartoffel, Kirschtomaten, karamellisiertem Möhren-Labneh und Gurke-Mohn-Chili

Dessert: Zitronentarte mit Himbeeren und Meringue

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Nach einem sommerlich-leckeren Begrüßungscocktail starten wir mit einer tomatengrünen, frischen Gazpacho; garniert mit Garnelen-Ceviche, Croutons und schwarzer Olive. Dieser Gang ist nicht nur eine willkommene Abkühlung, sondern offenbart auch auf raffinierte Weise die mediterranen Einflüsse in den Gerichten der Cantina. Die Gazpacho schmeckt nach Spanien, die Garnelen-Oliven-Kombination lässt uns nach Italien schwelgen oder vielleicht sogar nach Griechenland.  
Nachdem auch für den zweiten Gang die Küche kalt bleibt, ist klar, dass Bravo und sein Team die Außentemperaturen bei der Menüplanung berücksichtigt und geschickt umgesetzt haben: Es gibt ein Carpacchio von der Roten Bete mit Kohlrabi, Meerrettich, Thymian und… Anis-Popcorn! Dieser Gang ist mindestens so aufregend, wie er klingt. 
Auch der dritte Teller kommt kalt daher – oder besser gesagt "kalt gegart". Wir essen ein wahnsinnig leckeres Crudo vom marinierten Lachs mit Tomate, Edamame, Chili und Sour Cream. Säure und Frische halten sich perfekt die Waage; der fruchtige Kaiserstuhler Sommerwein von Bettina Schumann und ihrer Lebensgefährtin rundet das Erlebnis ab.
Der vierte Gang wiegt an diesem Abend sicherlich am schwersten. Doch während wir noch unsicher sind, wie sich unser argentinisches Entrecôte an Kartoffeln, Kirschtomaten, karamellisiertem Möhren-Labneh und Gurke-Mohn-Chili mit der schwülen Sommerhitze verträgt, wischt Bravo all' unsere Zweifel beiseite. Der Teller ist mächtig, die Portion Fleisch ordentlich. Und dennoch schmeckt das Gericht mediterran-leicht – genau so, wie man es sich an einem heißen Sommerabend in Berlin, Argentinien oder auch Italien wünscht.
Eigentlich sind unsere Bäuche nach diesem leckeren Teller voll, unsere Augen vom Wein und der Hitze schwer und unsere Gemüter rundum zufrieden. Doch was spricht schon gegen eine zitronig-süße Tarte mit Himbeeren und Meringue? Auch im Finale des Abends zeigt das Team um Bravo, dass "Soul Food" keineswegs schwer sein muss. So verbringt man einen heißen Abend in der Hauptstadt doch gerne!